Kalifornien wurde nicht einfach deshalb als Insel gezeichnet, weil frühe europäische Kartografen die Region noch nie richtig gesehen hatten. Ältere Karten hatten das Gebiet teilweise bereits mit Nordamerika verbunden. Die Inseldarstellung entstand im frühen 17. Jahrhundert vielmehr als neuer Fehler, gespeist aus unvollständigen Expeditionsberichten und fehlerhafter Manuskriptkartografie.
Ab 1622 verbreitete sich die abgetrennte Form auf europäischen Karten. Bedeutende britische und niederländische Verlage übernahmen sie. Eine um 1650 für niederländische Handels- und Militärschifffahrt angefertigte Karte zeigt Kalifornien klar vom Kontinent getrennt. Allein die Stanford-Sammlung bewahrt fast 750 Karten und verwandte Objekte, auf denen Kalifornien als Insel erscheint.
Der Name kann aus heutiger Sicht in die Irre führen. Das “Kalifornien” dieser Karten entsprach nicht einfach den Grenzen des heutigen US-Bundesstaats. Die vermeintliche Insel umfasste gewöhnlich die Halbinsel Baja California und reichte entlang der Pazifikküste weit nach Norden. Tatsächlich ist Baja California am nördlichen Ende des Golfs von Kalifornien mit dem Festland verbunden; auch das heutige Kalifornien liegt auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Eusebio Kino hatte das Inselmodell zunächst selbst übernommen. Informationen indigener Gemeinschaften und mehrere Reisen in die Gebiete von Gila und Colorado brachten ihn davon ab. Zwischen 1698 und 1701 sammelte er Belege für einen Landweg und kam zu dem Schluss, dass der Golf von Kalifornien endet, bevor er Kalifornien vom Festland trennen könnte.
1701 schickte Kino eine Karte dieses Landwegs nach Mexiko-Stadt. Eine Fassung gelangte nach Europa und wurde 1705 in Paris veröffentlicht. Damit stand dem Inselmodell eine zusammenhängende geografische Darstellung gegenüber, die auf Reisen am nördlichen Ende des Golfs beruhte.
Die Korrektur setzte sich nicht sofort durch. Manche Kartografen kopierten die Inselform noch jahrzehntelang weiter. 1747 erklärte die spanische Krone ausdrücklich, Kalifornien sei keine Insel; spätere Überlandreisen machten die Verbindung zum Kontinent noch eindeutiger.
Für die Zeitleiste verwendet diese Karte 1622 als repräsentativen Beginn der gedruckten Inseltradition und 1705 als repräsentativen Korrekturpunkt. Die Daten markieren keinen universellen Konsens. Gerade das macht den Fall interessant: Ein etabliertes Kartenbild konnte weiterleben, obwohl bereits bessere geografische Evidenz vorlag.