Keine Tatsache mehr

Ein Katarakt ist eine krankhafte Membran oder Ablagerung vor einer ansonsten klaren natürlichen Augenlinse.

Was wir heute wissen

Ein Katarakt ist eine Trübung der natürlichen Augenlinse selbst.

Warum sich das änderte

Untersuchungen nach dem Tod zeigten nach einer Starstich-Operation, dass die dabei verschobene trübe Struktur die Linse selbst war. Arbeiten von Michel Brisseau, Antoine Maître-Jan und anderen veränderten Anfang des 18. Jahrhunderts die gelehrte Augenheilkunde hin zur modernen anatomischen Deutung.

Status
Korrigiert
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈1 555 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Galenische Augenheilkunde bis ins 17. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1705 bis 1716

Dieses falsche Modell hielt sich unter anderem deshalb, weil die Behandlung funktionierte.

Über Jahrhunderte wurde der Katarakt meist als eigenständige Trübung oder Ablagerung zwischen Pupille und natürlicher Linse verstanden. Behandelt wurde er durch den Starstich: Die störende Struktur wurde nach unten aus der Sehachse gedrückt. Danach konnten Patientinnen und Patienten teilweise wieder brauchbar sehen.

Dieser Erfolg schien die Anatomie zu bestätigen. Wenn das Sehen zurückkehrte, nachdem die vermeintliche Trübung beiseitegeschoben worden war, lag die Vorstellung einer Membran vor einer weiterhin klaren Linse nahe.

Tatsächlich wurde beim Starstich die getrübte Linse selbst verlagert. 1705 führte Michel Brisseau an einem kürzlich verstorbenen Kataraktpatienten einen Starstich durch und sezierte anschließend das Auge. Dabei fand er die natürliche Linse nach hinten in den Glaskörper gedrückt. Antoine Maître-Jan und andere Beobachter lieferten ähnliche Befunde, und innerhalb des folgenden Jahrzehnts setzte sich die neue Interpretation weitgehend durch.

Auch moderne Kataraktchirurgie behandelt die Linse als Ursache. Heute wird die trübe Linse jedoch entfernt und meist durch eine künstliche Intraokularlinse ersetzt.

Es ist ein besonders schönes Beispiel dafür, wie eine erfolgreiche Behandlung ein falsches Ursachmodell stabilisieren kann.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • The Oculist's EyeJournal of the History of Medicine and Allied Sciences

    Erklärt, dass Katarakte von Galen bis ins 17. Jahrhundert meist als getrennte Trübungen zwischen Pupille und Linse verstanden wurden.

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

  • Cataracts and the EyeNational Eye Institute

    Definiert den Katarakt als getrübten Bereich der natürlichen Linse und erklärt deren Rolle bei der Lichtfokussierung auf die Netzhaut.

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