Keine Tatsache mehr

Bei Pflanzen wurde kein männlicher Fortpflanzungsbeitrag angenommen, der mit der Befruchtung bei Tieren vergleichbar wäre.

Was wir heute wissen

Pflanzen vermehren sich sowohl sexuell als auch ungeschlechtlich. Bei Samenpflanzen trägt Pollen die männlichen Fortpflanzungszellen; zur Befruchtung kommt es, wenn schließlich eine Samenzelle die Eizelle in der Samenanlage erreicht und ein Embryo entsteht.

Warum sich das änderte

Blütenstrukturen und Pollen waren lange sichtbar, ohne dass ihre Funktion klar war. Rudolf Jakob Camerarius zeigte 1694 experimentell, dass die Samenbildung von Pollen abhängt, und belegte damit einen männlichen Beitrag zur pflanzlichen Fortpflanzung.

Status
Widerlegt
Kategorie
Botanik
Akzeptiert für
Nicht quantifiziert
Ungefähr akzeptiert
Vor der experimentellen Etablierung der Sexualität von Pflanzen im späten 17. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1694 und frühes 18. Jahrhundert

Blüten besitzen deutlich erkennbare spezialisierte Strukturen, doch ihre Fortpflanzungsfunktionen waren vor der modernen Botanik nicht selbstverständlich.

Gerade für Pollen gab es verschiedene Erklärungen. Er konnte als Ausscheidung, Nährstoff oder irgendein anderer Pflanzenstoff gelten, statt als Teil eines männlichen Fortpflanzungssystems.

Rudolf Jakob Camerarius führte im 17. Jahrhundert einen entscheidenden experimentellen Test durch.

Er entfernte oder isolierte pollenbildende Strukturen und verglich anschließend die Samenbildung. In seinen Arbeiten von 1694 zeigte sich, dass fruchtbare Samen vom Zugang zu Pollen abhingen.

Spätere Mikroskopie klärte, was Pollen tatsächlich transportiert.

Bei Samenpflanzen enthält ein Pollenkorn den männlichen Gametophyten, also die kleine Fortpflanzungsgeneration, aus der schließlich Samenzellen entstehen. Nach der Bestäubung kann ein Pollenschlauch zur Samenanlage wachsen und die Samenzellen dorthin bringen. Bei der Befruchtung verschmilzt eine Samenzelle mit einer Eizelle und bildet den Embryo der nächsten Generation.

Pflanzliche Sexualität ist vielfältiger als das vertraute männlich-weibliche Tiermodell. Viele Blüten besitzen beide Fortpflanzungsfunktionen, andere Arten verteilen sie auf verschiedene Blüten oder Individuen, und zahlreiche Pflanzen können sich zusätzlich ungeschlechtlich vermehren.

Die entscheidende Korrektur lautet, dass sexuelle Fortpflanzung ein grundlegender Teil der Pflanzenbiologie ist, auch wenn Pflanzen sie auf eigene Weise organisieren.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Primärforschung

  • De sexu plantarum epistolaWorldCat

    Katalogeintrag zu Camerarius' experimenteller Abhandlung von 1694 über die Sexualität der Pflanzen.

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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