Die Erklärung durch schlechte Luft hat ungewöhnlich tiefe Wurzeln. In Über Luft, Wasser und Örtlichkeiten, einem um 400 v. Chr. in der hippokratischen Tradition entstandenen Werk, wurden sumpfige und stehende Gewässer als ungesund beschrieben und mit wiederkehrendem Fieber und vergrößerter Milz in Verbindung gebracht. Auch spätere griechische und römische Beobachter verknüpften Feuchtgebiete mit Fieber. Der Zusammenhang war real, obwohl der angenommene Mechanismus falsch war: Feuchtgebiete boten hervorragende Lebensräume für die Mücken, die Malaria tatsächlich übertragen.
Das Wort Malaria selbst bewahrt die alte Theorie. Im frühneuzeitlichen Italien sprach man von mal’aria, also „schlechter Luft“, und die Trockenlegung von Sümpfen konnte die Vorstellung scheinbar bestätigen, weil das Entfernen stehenden Wassers die Krankheit tatsächlich zurückdrängte. Der Grund war jedoch die Beseitigung von Brutstätten der Mücken und nicht das Zerstreuen giftiger Dämpfe.
Das alte Modell hielt sich auch deshalb so lange, weil es die geografische Verteilung erstaunlich gut vorhersagte. Der entscheidende Wandel erforderte, Korrelation und Mechanismus auseinanderzuhalten: Alphonse Laveran identifizierte 1880 Parasiten im Blut von Malariapatienten, und Arbeiten von Ronald Ross und anderen belegten in den 1890er-Jahren die Übertragung durch Mücken. Mehr als zwei Jahrtausende lang hatte die Landschaft Beobachter an die richtigen Orte geführt und sie zugleich über die eigentliche Ursache getäuscht.