Keine Tatsache mehr

Der Längengrad eines Schiffes lässt sich auf See nicht genau bestimmen.

Was wir heute wissen

Der Längengrad kann bestimmt werden, indem man die Ortszeit mit einer Referenzzeit vergleicht, die an Bord mitgeführt oder über Funk- beziehungsweise Satellitensysteme übertragen wird.

Warum sich das änderte

Der Breitengrad ließ sich relativ einfach aus Himmelsbeobachtungen bestimmen, für den Längengrad musste dagegen die Zeitdifferenz zu einem Referenzmeridian bekannt sein. Für lange Reisen ausreichend stabile Marinechronometer lösten das praktische Problem im 18. Jahrhundert.

Status
Widerlegt
Kategorie
Technologie
Akzeptiert für
≈47 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Spätestens mit dem Longitude Act von 1714 als formell anerkanntes Navigationsproblem
Ungefähr geändert
1730er- bis 1770er-Jahre

Der Breitengrad ließ sich aus der Höhe der Sonne oder bekannter Sterne vergleichsweise gut bestimmen. Der Längengrad war schwieriger: Ein Schiff musste wissen, wie weit es östlich oder westlich von einem Referenzmeridian lag, und kleine Navigationsfehler konnten sich auf langen Reisen gefährlich aufsummieren.

Der Schlüssel war die Zeit. Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um 360 Grad. Vergleicht man die lokale Sonnenzeit mit der Zeit an einem festgelegten Referenzmeridian, ergibt sich daraus unmittelbar der Längengrad. Das praktische Problem bestand darin, diese Referenzzeit wochen- oder monatelang an Bord mitzunehmen, ohne dass eine Uhr durch Temperatur, Feuchtigkeit und die Bewegung des Schiffs zu stark abwich.

John Harrison entwickelte über Jahrzehnte Marinezeitmesser, die genau diese Anforderung erfüllten. Erprobungen seiner Konstruktionen zeigten, dass hinreichend präzise Uhren Ozeanreisen überstehen konnten und die Zeitdifferenzmethode praktisch machten.

Auch astronomische Monddistanzverfahren wurden nutzbar und konkurrierten zeitweise mit Chronometern. Die Lösung des Längengradproblems war daher keine plötzliche Ein-Gerät-Revolution.

Heute machen Funkzeitsignale und Satellitennavigation die frühere Schwierigkeit beinahe unsichtbar. Auch GPS beruht grundsätzlich auf extrem präziser Zeitmessung. Der Längengrad wurde nicht deshalb leicht bestimmbar, weil sich die Geografie änderte, sondern weil tragbare Zeitmessung genau genug wurde, die Erdrotation als Messinstrument zu nutzen.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • Longitude FoundRoyal Museums Greenwich

    Erklärt die praktische Unmöglichkeit einer zuverlässigen Längengradbestimmung vor der Entwicklung einer hinreichend genauen Schiffsuhr.

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

  • How GPS WorksU.S. Government

    Erklärt moderne satellitengestützte Positionsbestimmung und präzise Zeitmessung.

Weitere Einträge

Oder ganz woanders: