Keine Tatsache mehr

Die frühesten menschlichen Vorfahren entstanden in Europa oder Asien und nicht in Afrika.

Was wir heute wissen

Die frühesten bekannten Homininen und die ersten mehreren Millionen Jahre der menschlichen Evolutionsgeschichte sind afrikanisch. Später breitete sich Homo mehrfach nach Eurasien aus, wo sich weitere menschliche Linien entwickelten.

Warum sich das änderte

Europäische und asiatische Fossilien wurden entdeckt und bekannt gemacht, bevor Afrika vergleichbar intensiv erforscht war. Das begünstigte Modelle eines eurasischen Ursprungs. Afrikanische Australopithecinen, noch ältere Homininen, vergleichende Anatomie und Genetik verlagerten den Schwerpunkt der Belege nach Afrika.

Status
Abgelöst
Kategorie
Menschliche Evolution
Akzeptiert für
≈39 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Spätes 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts
Ungefähr geändert
1920er- bis 1960er-Jahre

Darwin hatte bereits 1871 einen afrikanischen Ursprung des Menschen vorgeschlagen, unter anderem wegen unserer engen Verwandtschaft mit afrikanischen Menschenaffen. Der frühe Fossilbestand machte Afrika jedoch keineswegs sofort zum offensichtlichen Zentrum der Geschichte. Bedeutende Menschenfossilien wurden zunächst in Europa und Asien gefunden, während große Teile Afrikas paläoanthropologisch kaum erforscht waren.

Dieses Ungleichgewicht begünstigte einflussreiche Modelle eines eurasischen Ursprungs. Forschende erwarteten entscheidende Übergangsformen in Europa oder Asien, wo Neandertaler, Homo erectus auf Java und weitere Funde greifbares Material lieferten.

Das 1924 entdeckte Taung-Kind verschob den geografischen Schwerpunkt. Raymond Dart deutete den kleinen südafrikanischen Schädel als Australopithecinen mit einer Mischung aus affenähnlichen und menschlichen Merkmalen. Spätere Funde in Ost- und Südafrika brachten zahlreiche frühe Homininenarten ans Licht, viele deutlich älter als die damals bekannten eurasischen Formen.

Im großen Maßstab ist das Fossilmuster heute klar: Die ersten mehreren Millionen Jahre der Homininenevolution spielen sich in Afrika ab. Genetische Daten verorten ebenso die tiefste Abstammung heute lebender Menschen in Afrika.

Eurasien wird dadurch nicht bedeutungslos. Homo verließ Afrika mehrfach, und eurasische Linien wie Neandertaler und Denisovaner trugen später zur Abstammung mancher heute lebender Menschen bei. Korrigiert wurde die Vorstellung vom tiefen Ursprung der menschlichen Linie außerhalb Afrikas, nicht jedes spätere Kapitel unserer Evolution.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Aktuelle Evidenz

  • GeneticsSmithsonian Human Origins Program

    Erklärt, dass Fossilien und genetische Daten die frühesten Phasen der menschlichen Abstammungslinie in Afrika verorten.

  • Introduction to Human EvolutionSmithsonian Human Origins Program

    Stellt fest, dass Fossilien aus den ersten vier Millionen Jahren der menschlichen Evolution ausschließlich aus Afrika stammen.

Historischer Kontext

  • Australopithecus africanusSmithsonian Human Origins Program

    Hält fest, dass das 1924 entdeckte Taung-Kind das erste Fossil war, das frühe Menschen eindeutig in Afrika belegte.

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