Der Piltdown-Mensch schien genau zu einem damals einflussreichen Bild der menschlichen Evolution zu passen. Die 1912 vorgestellten Funde verbanden einen relativ menschenähnlichen Hirnschädel mit einem affenähnlichen Kiefer und schienen damit zu zeigen, dass ein großes Gehirn früh in unserer Abstammungsgeschichte entstanden war.
Der Fund aus England erhielt rasch institutionelles Gewicht und beeinflusste Rekonstruktionen der menschlichen Evolution über Jahrzehnte.
Überzeugt waren jedoch nie alle. Schädel und Kiefer passten anatomisch auffällig schlecht zusammen, und neue Fossilien aus Afrika und Asien machten Piltdown zunehmend zu einem Sonderfall, der sich nur schwer in das übrige Bild einordnen ließ.
Schließlich zerlegten neue Untersuchungsmethoden die Konstruktion. Fluoranalysen zeigten, dass die Bestandteile nicht gleich alt waren; mikroskopische Untersuchungen entdeckten abgefeilte Zähne und künstliche Verfärbungen. Der vermeintliche Vorfahr bestand aus menschlichen Schädelfragmenten und einem Orang-Utan-Kiefer.
1953 wurde Piltdown endgültig aus dem Stammbaum entfernt. Der Fall wurde zum klassischen Beispiel dafür, wie Erwartungen, Prestige und unzureichende Prüfung einen schlechten Befund lange stabilisieren können.
Wer die Fälschung genau anfertigte, ist eine eigene historische Frage; Charles Dawson gilt häufig als wahrscheinlichster Täter. Für die wissenschaftliche Bewertung spielt diese Unsicherheit keine Rolle: Das Fossil selbst war absichtlich manipuliert.