Keine Tatsache mehr

Ein Gen eines komplexen Organismus ist ein durchgehender DNA-Abschnitt, der direkt seiner Boten-RNA entspricht.

Was wir heute wissen

Viele Gene von Tieren, Pflanzen, Pilzen und anderen Organismen mit Zellkern bestehen nicht aus einem einzigen ununterbrochenen Abschnitt nutzbarer Information. Die erste RNA-Kopie enthält Bereiche, die erhalten bleiben – Exons – und dazwischenliegende Bereiche, die entfernt werden – Introns.

Warum sich das änderte

1977 fanden Richard Roberts und Phillip Sharp, dass manche Boten-RNA nicht zu einem durchgehenden DNA-Abschnitt passte, sondern zu mehreren voneinander getrennten Stücken. Damit wurde klar, dass Zellen zunächst einen größeren Bereich kopieren und die RNA anschließend bearbeiten können, indem sie Introns entfernen und Exons verbinden.

Status
Widerlegt
Kategorie
Genetik
Akzeptiert für
≈22 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1950er-Jahre bis 1977
Ungefähr geändert
1977 bis 1980er-Jahre

Das frühe molekulare Genmodell war sehr direkt. DNA wurde in Boten-RNA abgeschrieben; diese trägt genetische Information, die zur Herstellung eines Proteins genutzt werden kann. Es lag daher nahe anzunehmen, dass die fertige RNA einem einzigen durchgehenden Abschnitt des Gens entspricht.

1977 fanden Richard Roberts und Phillip Sharp unabhängig voneinander etwas anderes. Beim Vergleich von Boten-RNA mit der DNA, aus der sie entstanden war, passte die RNA zu mehreren getrennten DNA-Abschnitten. Dazwischen lagen Bereiche, die in der fertigen RNA fehlten.

Die erste RNA-Kopie lässt sich deshalb eher als Rohfassung verstehen. Sie kann Abschnitte enthalten, die in der fertigen Boten-RNA erhalten bleiben; diese heißen Exons. Dazwischen können Abschnitte liegen, die entfernt werden; sie heißen Introns. Beim RNA-Spleißen schneidet die Zelle die Introns heraus und verbindet die Exons miteinander.

Damit wurde auch eine weitere Möglichkeit sichtbar: Dasselbe Gen kann manchmal auf unterschiedliche Weise gespleißt werden. Je nachdem, welche Exons verbunden werden, können verschiedene RNA-Produkte entstehen.

Viele bakterielle Gene sind durchgehend, und auch manche Gene von Organismen mit Zellkern enthalten keine Introns. Widerlegt wurde die allgemeine Regel, jedes Gen müsse einem einzigen ununterbrochenen Abschnitt seiner fertigen Boten-RNA entsprechen.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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