Keine Tatsache mehr

Üppiger tropischer Regenwald galt weithin als Hinweis darauf, dass der darunterliegende Boden außergewöhnlich fruchtbar sei und auch nach einer Rodung dauerhaft hohe Erträge liefern könne.

Was wir heute wissen

Tropische Böden unterscheiden sich enorm. Viele Regenwälder wachsen auf alten, tief verwitterten Böden, die arm an leicht verfügbaren Nährstoffen sind; ihre Produktivität wird durch rasches Recycling über Biomasse, Streu, Wurzeln, Pilze und Mikroben aufrechterhalten. Vulkanische, alluviale und jüngere tropische Böden können dagegen von Natur aus fruchtbar sein.

Warum sich das änderte

Beobachter des 19. und frühen 20. Jahrhunderts schlossen aus der üppigen tropischen Vegetation häufig auf fruchtbaren Boden. Bis in die 1930er-Jahre zeigten tropische Bodenkartierungen jedoch, dass die Waldbedeckung kein verlässlicher Maßstab für landwirtschaftliche Fruchtbarkeit war: Stark verwitterte und ausgewaschene Böden konnten durch eng geschlossene Nährstoffkreisläufe dichten Wald tragen, nach einer Rodung aber rasch an Produktivität verlieren. Die spätere Bodenkunde zeigte zugleich, dass auch die umgekehrte Verallgemeinerung – alle tropischen Böden seien unfruchtbar – falsch ist.

Status
Eingeschränkt
Kategorie
Ökologie
Akzeptiert für
Nicht quantifiziert
Ungefähr akzeptiert
Forschungsreisen und koloniale Landwirtschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
Ungefähr geändert
1930er-Jahre bis Mitte des 20. Jahrhunderts

Dichter tropischer Wald legte einst einen einfachen Schluss nahe: Eine derart üppige Vegetation müsse auf außergewöhnlich fruchtbarem Boden wachsen. Daraus folgte auch die Erwartung, gerodeter Regenwald müsse sich dauerhaft besonders gut landwirtschaftlich nutzen lassen. Tropische Bodenkartierungen zeichneten zunehmend ein anderes Bild. Bereits in den 1930er-Jahren warnten Bodenkundler ausdrücklich davor, die Üppigkeit des Waldes mit landwirtschaftlicher Bodenfruchtbarkeit gleichzusetzen.

In vielen feuchten, alten Tropenlandschaften hinterlassen intensive Verwitterung und Auswaschung nur vergleichsweise wenige leicht verfügbare Nährstoffe im Mineralboden. Wälder können dennoch äußerst produktiv sein, weil Nährstoffe rasch in lebender Biomasse, Streu, Wurzeln, Pilzen und Mikroben gebunden und wiederverwertet werden. Eine Rodung kann diesen Kreislauf unterbrechen und den Boden zusätzlich Erosion und Nährstoffverlust aussetzen.

Auch die umgekehrte Verallgemeinerung ist falsch. Tropische Böden sind vielfältig: Junge Vulkanböden, Schwemmböden und andere lokale Bodentypen können sehr fruchtbar sein.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • Soil Problems in the TropicsNature

    Ein zeitgenössischer Bericht von 1939 stellt frühere Vorstellungen von nahezu unerschöpflicher tropischer Fruchtbarkeit Bodenkartierungen gegenüber, die zeigten, dass üppige Regenwaldvegetation kein verlässlicher Maßstab für die landwirtschaftliche Bodenqualität ist.

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

Weitere Einträge

Oder ganz woanders: