Keine Tatsache mehr

Die äußere Atmosphäre der Sonne muss kühler sein als ihre sichtbare Oberfläche.

Was wir heute wissen

Die Sonnenkorona, also die dünne äußere Atmosphäre der Sonne, erreicht ungefähr eine bis mehrere Millionen Kelvin und ist damit weit heißer als die sichtbare Oberfläche mit etwa 5.800 K. Die Korona ist extrem dünn, daher bedeutet ihre hohe Temperatur nicht, dass sie mehr gesamte Wärmeenergie enthält als die dichteren Schichten darunter.

Warum sich das änderte

Es erschien naheliegend, dass die Atmosphäre über der Sonnenoberfläche mit wachsender Entfernung kühler wird. Rätselhafte Spektrallinien der Korona wurden schließlich als Licht bekannter Atome wie Eisen erkannt, denen viele Elektronen fehlten – ein Zustand, der Temperaturen um eine Million Kelvin erfordert.

Status
Widerlegt
Kategorie
Astronomie
Akzeptiert für
≈90 Jahre
Ungefähr akzeptiert
19. Jahrhundert bis 1930er-Jahre
Ungefähr geändert
1939 bis 1942

Die sichtbare Oberfläche der Sonne, die Photosphäre, hat eine Temperatur von etwa 5.800 Kelvin.

Alltagserfahrung legt nahe, dass es mit zunehmender Entfernung von einer heißen Oberfläche kühler werden sollte. Deshalb erwarteten Astronomen zunächst, dass die schwache äußere Atmosphäre der Sonne kühler als die Photosphäre sei.

Ihr Spektrum gab jedoch Rätsel auf.

Wenn Astronomen das Licht der Korona in seine Wellenlängen zerlegten, fanden sie helle Linien, die unter gewöhnlichen Laborbedingungen zu keinem bekannten Element passten. Zeitweise vermutete man deshalb ein unbekanntes Element namens „Coronium“.

Die Lösung war überraschender.

Bengt Edlén zeigte, dass die rätselhaften Linien von bekannten Atomen stammen, vor allem von Eisen, denen viele Elektronen entrissen worden waren. Um so viele Elektronen zu entfernen, sind Stöße mit extrem hohen Energien nötig – entsprechend Temperaturen um eine Million Kelvin.

Die Korona war also nicht kühler als die sichtbare Oberfläche, sondern hunderte Male heißer.

Damit entstand ein neues Problem: die Koronaheizung. Wie kann die dünne äußere Atmosphäre über einer wesentlich kühleren Photosphäre so heiß werden? Magnetische Prozesse, darunter Wellenheizung und magnetische Rekonnexion, spielen in heutigen Erklärungen eine zentrale Rolle, wobei ihr Anteil regional unterschiedlich sein kann.

Temperatur beschreibt hier die typische Energie der Teilchen. Weil die Korona extrem dünn ist, darf ihre hohe Temperatur nicht mit einem größeren gesamten Wärmeinhalt als in den viel dichteren Schichten darunter verwechselt werden.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

  • The CoronaNASA Marshall Space Flight Center

    Beschreibt die millionen Grad heiße Korona und die frühere Deutung durch das vermeintliche Element Coronium.

  • Solar CoronaNASA

    Gibt einen Überblick über Spektroskopie, Ionisation und die unerwartet hohe Temperatur der Korona.

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