Keine Tatsache mehr

Atemwegspartikel lassen sich anhand einer einzigen festen Partikelgrößengrenze in „Tröpfchen“ und „Aerosole“ einteilen.

Was wir heute wissen

Atemwegspartikel bilden ein kontinuierliches Größenspektrum und nicht zwei klar getrennte Klassen mit einer einzigen universellen Grenzgröße. Größere Partikel sinken tendenziell schneller ab und kleinere bleiben länger in der Luft, doch ihr Verhalten hängt auch von Verdunstung, Luftströmung, Feuchtigkeit und ihrer Entstehung ab.

Warum sich das änderte

Infektionsschutzrichtlinien teilten Partikel häufig bei einem festen Durchmesser in „Tröpfchen“ und „Aerosole“, verschiedene Fachgebiete verwendeten jedoch unterschiedliche Grenzwerte. COVID-19 machte diese Widersprüche sichtbar, und die Aerosolphysik zeigte, dass sich Partikelverhalten kontinuierlich statt an einer magischen Größe verändert. Eine WHO-geführte Terminologie verwendet nun ein Spektrummodell.

Status
Abgelöst
Kategorie
Öffentliche Gesundheit
Akzeptiert für
Nicht quantifiziert
Ungefähr akzeptiert
20. Jahrhundert bis 2024
Ungefähr geändert
2024

Über Jahrzehnte sortierten Richtlinien zum Infektionsschutz Partikel, die beim Atmen, Husten oder Niesen aus den Atemwegen gelangen, häufig in zwei Gruppen.

Größere „Tröpfchen“ sollten rasch auf nahe Oberflächen fallen. Kleinere „Aerosole“ sollten länger in der Luft schweben und weiter getragen werden. Als Trennlinie wurde oft ein bestimmter Partikeldurchmesser verwendet.

Das Problem war, dass es keine einheitliche Grenze gab. Gesundheitsbehörden, medizinische Fachrichtungen und Aerosolforschung verwendeten unterschiedliche Größenwerte.

Auch die Physik ist fließender als dieses Zwei-Schubladen-Modell. Ein Atemwegspartikel kann nach dem Austritt aus Mund oder Nase verdunsten und dadurch kleiner werden. Wie lange er in der Luft bleibt, hängt nicht nur von seinem Durchmesser ab, sondern auch von Luftströmung, Feuchtigkeit, Bewegung der Raumluft und davon, mit welcher Geschwindigkeit und Richtung er ausgestoßen wurde.

COVID-19 machte diese Unterschiede in der Terminologie schwer zu übersehen, weil Kliniker, Ingenieure, Aerosolforschende und Gesundheitsbehörden dieselben Wörter teilweise unterschiedlich verwendeten.

Eine von der WHO geführte Fachkonsultation veröffentlichte 2024 eine überarbeitete Terminologie. Sie behandelt infektiöse Atemwegspartikel als kontinuierliches Spektrum und beschreibt ihr Verhalten, ohne eine einzige universelle Tröpfchen-Aerosol-Grenze vorauszusetzen.

Die älteren Begriffe können im jeweiligen Zusammenhang weiterhin nützlich sein. Überholt ist die Vorstellung, ein fester Durchmesser trenne sauber zwei physikalisch verschiedene Arten von Atemwegspartikeln.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

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