Keine Tatsache mehr

Die Plazenta ist eine vollständige Barriere, die den Fötus vor Medikamenten, Chemikalien und Infektionen im Blut der Mutter schützt.

Was wir heute wissen

Die Plazenta ist ein selektives Austauschorgan und keine undurchlässige Wand. Sie lässt Sauerstoff und Nährstoffe zum Fötus gelangen und Abfallstoffe in die Gegenrichtung passieren; zugleich können aber auch viele Medikamente, Alkohol, Umweltchemikalien, Antikörper und manche Infektionen sie überwinden oder ihre Funktion beeinflussen.

Warum sich das änderte

Der Ausdruck „Plazentaschranke“ förderte die Vorstellung, schädliche Stoffe im mütterlichen Blut würden vom Fötus ferngehalten. Angeborene Infektionen, Messungen von Arzneistoffen im fetalen Kreislauf, Alkoholschäden und besonders die Fehlbildungen durch Thalidomid zeigten, dass dieser Schutz unvollständig ist.

Status
Eingeschränkt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈76 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Spätes 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts
Ungefähr geändert
1940er- bis 1960er-Jahre

Die Plazenta verbindet den sich entwickelnden Fötus mit dem mütterlichen Kreislauf, ohne dass sich beide Blutkreisläufe einfach direkt vermischen.

Daraus entstand die nützliche Vorstellung einer Plazentaschranke. Die Plazenta filtert und reguliert den Austausch tatsächlich – doch das Wort „Schranke“ klingt leicht absoluter, als die Biologie ist.

Viele Stoffe müssen die Plazenta passieren, damit eine Schwangerschaft überhaupt funktioniert. Sauerstoff und Nährstoffe gelangen zum Fötus, während Kohlendioxid und andere Abfallstoffe in Richtung Mutter transportiert werden. Auch mütterliche Antikörper können passieren und dem Neugeborenen vorübergehend Immunschutz geben.

Schädliche Einflüsse werden jedoch nicht automatisch ausgeschlossen.

Mediziner lernten, dass manche Infektionen die Plazenta überwinden oder schädigen können. Messungen zeigten außerdem, dass zahlreiche Medikamente und Chemikalien, denen die Mutter ausgesetzt ist, den Fötus erreichen.

Die Thalidomid-Katastrophe machte die Gefahr besonders deutlich. Thalidomid, das in früher Schwangerschaft eingenommen wurde, konnte den sich entwickelnden Embryo erreichen und schwere Fehlbildungen von Gliedmaßen und Organen verursachen.

Die moderne Plazentabiologie beschreibt das Organ daher als selektive Schnittstelle. Ob und wie viel von einem Stoff übertritt, hängt unter anderem von Molekülgröße, Fettlöslichkeit, Transportproteinen, Stoffwechsel, Zustand der Plazenta und Schwangerschaftsphase ab.

Ein Übertritt bedeutet auch nicht automatisch eine Schädigung. Dosis und Zeitpunkt sind entscheidend. Die Korrektur lautet, dass die Plazenta Exposition reguliert, aber keine vollständige Isolation des Fötus garantiert.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Historischer Kontext

  • ThalidomideU.S. Food and Drug Administration

    Gibt einen Überblick über die Fehlbildungen, die Arzneimittelprüfungen und die Sicherheit von Medikamenten in der Schwangerschaft grundlegend veränderten.

Aktuelle Evidenz

  • Placental transfer of drugsBritish Journal of Anaesthesia Education

    Erklärt die Mechanismen, die den Stofftransfer zwischen Mutter und Fötus bestimmen.

  • TORCH ComplexStatPearls, National Library of Medicine

    Gibt einen Überblick über Infektionen, die die Plazenta überwinden und angeborene Erkrankungen verursachen können.

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