Keine Tatsache mehr

Nützliche Mutationen entstehen, weil Organismen sie benötigen, wenn sich die Umwelt verändert.

Was wir heute wissen

Mutationen entstehen durch biochemische Prozesse, ohne im Voraus zu wissen, welche Veränderungen nützlich sein werden. Die Selektion erhöht anschließend die Häufigkeit jener Varianten, die in einer bestimmten Umwelt zufällig Überleben oder Fortpflanzung verbessern.

Warum sich das änderte

Bakterien, die Viren oder Antibiotika ausgesetzt wurden, schienen genau dann Resistenz zu entwickeln, wenn sie gebraucht wurde. Fluktuationsexperimente zeigten jedoch große Unterschiede zwischen Kulturen, wie sie zu erwarten sind, wenn resistente Mutanten bereits vor der Exposition entstehen, statt der gleichmäßigeren Verteilung, die bei direkt durch die Herausforderung ausgelösten adaptiven Mutationen zu erwarten wäre.

Status
Widerlegt
Kategorie
Genetik
Akzeptiert für
≈43 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Konkurrierende biologische Erklärung bis ins frühe 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1943 bis 1950er-Jahre

Resistenz kann zielgerichtet wirken. Setzt man eine Bakterienpopulation einem Virus oder Antibiotikum aus, tauchen plötzlich Überlebende auf, die genau die Eigenschaft besitzen, die unter der neuen Bedrohung gebraucht wird. Eine plausible ältere Deutung war deshalb, dass die Herausforderung selbst die passende adaptive Mutation hervorruft.

1943 entwickelten Salvador Luria und Max Delbrück einen statistischen Test, der dieses Modell von spontaner Mutation unterscheiden konnte. Sie ließen viele unabhängige Bakterienkulturen wachsen und setzten sie anschließend Bakteriophagen aus.

Würde der Phage die Resistenz direkt auslösen, sollten die Kulturen ungefähr ähnliche Zahlen resistenter Kolonien hervorbringen. Tatsächlich schwankten die Zahlen enorm. Einige Kulturen enthielten regelrechte „Jackpots“ resistenter Nachkommen.

Genau das erwartet man, wenn eine Mutation vor der Exposition zufällig in einer einzelnen Zelle auftritt und deren resistente Nachkommen sich schon während des Wachstums vermehren. Die Umwelt erzeugt dann nicht die benötigte Sequenzänderung; sie selektiert Varianten, die bereits vorhanden sind.

Mutationsraten sind dennoch nicht vollkommen konstant. Stress, DNA-Reparatur und lokale Eigenschaften des Genoms können beeinflussen, wie häufig und wo Mutationen auftreten. Was fehlt, ist Voraussicht: Mutationen lesen die Umwelt nicht aus und erzeugen gezielt die konkrete Sequenz, die ein Organismus als Nächstes benötigen wird.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Primärforschung

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

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