Keine Tatsache mehr

Eine menopausale Hormontherapie verhindert Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei grundsätzlich gesunden Frauen nach der Menopause.

Was wir heute wissen

Eine systemische menopausale Hormontherapie sollte nicht allein zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begonnen werden. Nutzen und Risiken unterscheiden sich je nach Alter, Zeit seit der Menopause, Präparat, Verabreichungsweg, Dosis und danach, ob eine Gebärmutter vorhanden ist.

Warum sich das änderte

Beobachtungsstudien deuteten auf ein deutlich geringeres Risiko für koronare Herzkrankheit bei Anwenderinnen hin. Diese unterschieden sich jedoch in Gesundheit, Gesundheitsverhalten und sozioökonomischen Faktoren von Nichtanwenderinnen. Randomisierte Studien, besonders die Women's Health Initiative, fanden keinen allgemeinen Schutz vor koronarer Herzkrankheit und zeigten wichtige Risiken.

Status
Eingeschränkt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈17 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1980er-Jahre bis 2002
Ungefähr geändert
1998 bis 2002

In den 1980er- und 1990er-Jahren schienen Beobachtungsstudien zu zeigen, dass Frauen nach der Menopause, die Östrogen einnahmen, deutlich seltener an koronarer Herzkrankheit erkrankten. Das passte zu plausiblen biologischen Mechanismen – etwa günstigen Effekten auf Blutfette und Gefäße – und Hormontherapie wurde zunehmend nicht nur gegen Beschwerden, sondern auch als langfristige Krankheitsprävention diskutiert.

Das Problem lag in der Vergleichbarkeit der Gruppen. Frauen, die Hormone einnahmen oder verschrieben bekamen, unterschieden sich von Nichtanwenderinnen unter anderem im Gesundheitsverhalten, im Zugang zur medizinischen Versorgung und in sozioökonomischen Faktoren. Solche Unterschiede konnten die Behandlung schützender erscheinen lassen, als sie tatsächlich war.

Randomisierte Studien prüften die Frage direkter. Die Women’s Health Initiative untersuchte bestimmte orale Hormonregime bei einer breiten Gruppe postmenopausaler Frauen und fand keinen allgemeinen Schutz vor koronarer Herzkrankheit. Zugleich traten relevante Risiken hervor, darunter thromboembolische Ereignisse sowie – je nach Regime – ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Brustkrebs.

Das Ergebnis veränderte die routinemäßige präventive Verschreibung grundlegend, bedeutet aber nicht, dass „Hormone immer schädlich“ wären. Nutzen und Risiken hängen unter anderem von Alter, Abstand zur Menopause, Präparat, Verabreichungsweg, Dosis und davon ab, ob zusätzlich ein Gestagen erforderlich ist.

Menopausale Hormontherapie bleibt für geeignete Patientinnen eine wichtige Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Korrigiert wurde die viel breitere Vorstellung, man solle sie als allgemeine Strategie zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beginnen.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Primärforschung

Historischer Kontext

  • Women's Health InitiativeNational Heart, Lung, and Blood Institute

    Erklärt, dass die Studie zeigte, dass Hormontherapie Herzkrankheiten nicht wie zuvor angenommen verhindert.

Aktuelle Evidenz

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