Keine Tatsache mehr

Gene besitzen dauerhaft feste Positionen auf Chromosomen und können sich im Genom nicht bewegen.

Was wir heute wissen

Die meisten Gene liegen stabil an bestimmten Stellen der Chromosomen, doch einige DNA-Sequenzen können sich bewegen. Solche transponierbaren Elemente können sich ausschneiden oder kopieren und an neuen Positionen einfügen, wo sie Gene stören, Genaktivität verändern oder zur Evolution von Genomen beitragen können.

Warum sich das änderte

Die klassische Genetik kartierte Gene auf stabile Positionen in Chromosomen. Barbara McClintock fand bei Mais jedoch genetische Elemente, deren Bewegung die Aktivität benachbarter Gene veränderte und dadurch die Färbung der Körner beeinflusste. Spätere molekulare Forschung fand transponierbare Elemente bei Bakterien, Pflanzen, Tieren und vielen weiteren Organismen.

Status
Widerlegt
Kategorie
Genetik
Akzeptiert für
≈35 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1940er- bis 1980er-Jahre

Die klassische Genetik behandelte Chromosomen wie geordnete Karten. Gene besetzten bestimmte Positionen, sogenannte Loci, entlang eines Chromosoms. Crossing-over konnte zwar neu kombinieren, welche Chromosomenabschnitte gemeinsam vererbt wurden, doch die Positionen selbst sollten stabil bleiben.

Barbara McClintock fand in den 1940er-Jahren bei der Untersuchung von Mais eine Ausnahme.

Bestimmte genetische Elemente schienen an neue Stellen im Chromosom zu wandern. Wenn sie sich in oder neben andere Gene einfügten, konnten sie deren Aktivität verändern und dadurch wechselnde Farbmuster in Maiskörnern erzeugen.

McClintock nannte sie controlling elements. Die Vorstellung beweglicher DNA passte nur schwer in das damalige Bild stabiler Chromosomenkarten und fand deshalb lange nur begrenzte Akzeptanz.

Spätere Forschung zeigte, dass mobile DNA weit verbreitet ist. Heute heißen solche Sequenzen transponierbare Elemente. Manche bewegen sich direkt von einer DNA-Position zu einer anderen. Andere, sogenannte Retrotransposons, werden zunächst in RNA kopiert und anschließend wieder in DNA umgeschrieben, bevor eine neue Kopie an anderer Stelle eingefügt wird.

Die meisten gewöhnlichen Gene springen nicht ständig durch das Genom. Die entscheidende Korrektur lautet, dass Chromosomenpositionen nicht ausnahmslos fest sind: Genome enthalten mobile Sequenzen, die Mutationen erzeugen, Genregulation verändern und Genome über die Evolution hinweg umgestalten können.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Aktuelle Evidenz

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

  • Barbara McClintockThe Nobel Prize

    Beschreibt die skeptische Reaktion auf McClintocks Theorie und ihre spätere Bestätigung.

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