Keine Tatsache mehr

Supraleitung kann nur wenige Grad oberhalb des absoluten Nullpunkts auftreten.

Was wir heute wissen

Viele konventionelle Supraleiter erfordern sehr tiefe Temperaturen, doch Kupferoxid- und andere unkonventionelle Materialien bleiben bei wesentlich höheren Temperaturen supraleitend, darunter oberhalb des Siedepunkts von flüssigem Stickstoff.

Warum sich das änderte

Über Jahrzehnte stiegen die bekannten Übergangstemperaturen nur langsam, und theoretische Erwartungen legten eine praktische Obergrenze nahe. Bednorz und Müller entdeckten 1986 Supraleitung in keramischen Kupferoxiden; kurz darauf folgten Verbindungen mit Übergangstemperaturen über 77 Kelvin.

Status
Widerlegt
Kategorie
Physik
Akzeptiert für
≈75 Jahre
Ungefähr akzeptiert
1911 bis 1986
Ungefähr geändert
1986 bis 1987

Seit der Entdeckung der Supraleitung 1911 lagen die bekannten Übergangstemperaturen extrem niedrig. Jahrzehntelang mussten Materialien mit flüssigem Helium gekühlt werden, und Fortschritte bei höheren Temperaturen waren langsam.

Das ließ eine starke Erwartung entstehen: Supraleitung schien grundsätzlich an Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt gebunden zu sein.

1986 entdeckten Georg Bednorz und K. Alex Müller in keramischen Kupferoxiden einen unerwarteten supraleitenden Zustand bei deutlich höheren Temperaturen. Kurz darauf wurden verwandte Materialien gefunden, die sogar oberhalb von 77 Kelvin, dem Siedepunkt von flüssigem Stickstoff, supraleitend bleiben.

Das war sowohl praktisch als auch theoretisch ein Bruch. Kühlung mit flüssigem Stickstoff ist wesentlich einfacher und billiger als mit flüssigem Helium, und die neuen Materialien passten nicht sauber in die etablierte Theorie konventioneller Supraleitung.

„Hochtemperatur“ bleibt allerdings relativ. 77 Kelvin entspricht etwa −196 °C und liegt weit unter Alltagsbedingungen.

Auch heute ist ein bei Umgebungsdruck zuverlässig funktionierender Raumtemperatur-Supraleiter nicht etabliert. Die Korrektur lautet deshalb nicht, dass Supraleitung „bei normalen Temperaturen“ üblich sei, sondern dass sie keineswegs auf wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt beschränkt ist.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Historischer Kontext

Aktuelle Evidenz

  • J. Georg Bednorz – FactsThe Nobel Prize

    Fasst die Entdeckung deutlich höherer Supraleitungstemperaturen in Kupferoxiden zusammen.

Primärforschung

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