Keine Tatsache mehr

Die möglichst ausgedehnte Mastektomie bietet Frauen mit frühem Brustkrebs die beste Überlebenschance.

Was wir heute wissen

Bei vielen frühen Brustkrebserkrankungen bietet eine brusterhaltende Operation mit anschließender Strahlentherapie eine mit der Mastektomie vergleichbare Überlebensrate. Zusätzliches Entfernen von Muskel- und anderem Gewebe verbessert die Tumorkontrolle nicht automatisch.

Warum sich das änderte

Brustkrebs wurde lange als Krankheit verstanden, die sich schrittweise und geordnet nach außen ausbreitet, was immer radikalere Operationen begünstigte. Randomisierte Studien ab den 1970er-Jahren fanden keinen Überlebensvorteil der ausgedehntesten Eingriffe.

Status
Abgelöst
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈95 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Spätes 19. Jahrhundert bis 1970er-Jahre
Ungefähr geändert
1970er- bis 1980er-Jahre

Die radikale Mastektomie beruhte auf einem in sich schlüssigen Modell der Tumorausbreitung. Wenn Brustkrebs sich geordnet von der Brust in nahe Lymphknoten und erst anschließend weiter im Körper ausbreitete, sollte eine möglichst weitgehende lokale Entfernung die spätere Metastasierung verhindern.

Aus dieser Logik entstanden immer ausgedehntere Operationen, bei denen nicht nur die Brust, sondern auch Lymphknoten und darunterliegende Brustmuskulatur entfernt wurden.

Randomisierte Studien prüften ab den 1970er-Jahren, ob mehr Operation tatsächlich längeres Überleben bedeutete. Europäische und US-amerikanische Studien verglichen radikale Verfahren mit weniger ausgedehnten Eingriffen und später mit brusterhaltender Operation plus Strahlentherapie.

Für viele Frauen mit frühem Brustkrebs brachte die stärker entstellende Operation keinen Überlebensvorteil.

Die Ergebnisse unterstützten zugleich ein systemischeres Verständnis von Brustkrebs. Krebszellen können sich bereits über die Brust hinaus verbreitet haben, bevor ein Tumor entfernt wird; dann beseitigt die Entfernung von noch mehr umliegendem Gewebe nicht zwangsläufig bereits weitergewanderte Tumorzellen. Lokale Kontrolle und systemische Behandlung werden deshalb nach Tumoreigenschaften kombiniert, statt einfach möglichst viel Gewebe zu entfernen.

Eine Mastektomie bleibt in vielen Situationen die richtige Operation, und eine brusterhaltende Behandlung eignet sich nicht für jede Patientin. Abgelöst wurde die allgemeine Regel, dass ein radikalerer chirurgischer Eingriff grundsätzlich die bessere Überlebenschance bietet.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

  • Umberto VeronesiNational Cancer Institute

    Bezeichnet die radikale Mastektomie als vorherrschenden Standard vor den randomisierten europäischen Studien zur brusterhaltenden Behandlung.

Aktuelle Evidenz

  • Milestones in Cancer Research and DiscoveryNational Cancer Institute

    Dokumentiert die Feststellung von 1985, dass Lumpektomie plus Strahlentherapie bei frühem Brustkrebs ein mit der Mastektomie vergleichbares Überleben ergab.

Historischer Kontext

  • Umberto VeronesiNational Cancer Institute

    Erklärt, dass spätere US-Studien ebenfalls keinen Überlebensvorteil radikalerer Operationen fanden.

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