Keine Tatsache mehr

Vor dem europäischen Kontakt war Amazonien weitgehend unberührte Wildnis, die nur von kleinen, verstreuten Gruppen bewohnt wurde, die die Landschaft kaum beeinflussten.

Was wir heute wissen

Viele Teile Amazoniens wurden bereits vor dem europäischen Kontakt deutlich von indigenen Gesellschaften geprägt. Archäologen fanden Siedlungen, Straßen, Kanäle, Hochbeete, große Erdwerke, gezielt veränderte Böden und langfristige Waldnutzung. Das Ausmaß der Besiedlung unterschied sich im riesigen Becken jedoch stark.

Warum sich das änderte

Ältere Modelle betonten nährstoffarme Tropenböden und stellten weite Teile des Landesinneren als Gebiet dar, das nur kleine verstreute Populationen tragen konnte. Archäologie, menschengemachte Schwarzerden, Pflanzenverteilungen, Paläoökologie und Lidar zeigten später in mehreren Regionen dichte Besiedlung und umfangreiche Landschaftsgestaltung.

Status
Eingeschränkt
Kategorie
Archäologie
Akzeptiert für
≈45 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Mitte des 20. Jahrhunderts bis 1990er-Jahre
Ungefähr geändert
1990er-Jahre bis heute

Ein starkes modernes Bild des Amazonas ist das des Urwaldes: ein riesiges Ökosystem, das bis zur jüngeren Abholzung weitgehend unberührt von Menschen geblieben sei.

Forschungsmodelle des mittleren 20. Jahrhunderts verstärkten diese Vorstellung auch für die Zeit vor dem europäischen Kontakt. Nährstoffarme Tropenböden schienen große dauerhafte Populationen in weiten Teilen des Beckens zu begrenzen, weshalb viele indigene Gemeinschaften als klein, verstreut und mit nur geringem Einfluss auf die Landschaft vorgestellt wurden.

Die Archäologie zeigte eine kompliziertere Geschichte.

Forschende fanden terra preta, die Amazonas-Schwarzerde: ungewöhnlich fruchtbare Böden, die durch langfristige menschliche Tätigkeit entstanden. In anderen Regionen wurden große geometrische Erdwerke, Hochbeete, Straßen, Kanäle und Netzwerke von Siedlungen dokumentiert.

Auch die Pflanzenökologie lieferte Hinweise. Manche heutigen Wälder enthalten besonders viele nützliche Baumarten, die indigene Gesellschaften über viele Generationen kultivierten, schützten oder gezielt förderten.

Lidar machte große Strukturen unter dichter Vegetation sichtbar und zeigte Siedlungsformen und Erdwerke, die vom Boden aus nur schwer zu erkennen sind.

Das bedeutet nicht, dass das gesamte Amazonasbecken dicht urbanisiert gewesen wäre. Amazonien ist riesig, und Bevölkerungsdichte sowie Landnutzung unterschieden sich stark zwischen Regionen und Zeiten.

Ebenso ist alte indigene Landschaftspflege nicht mit moderner industrieller Entwaldung gleichzusetzen. Die Korrektur ist spezifischer: Bedeutende Teile des Waldes besitzen eine lange Geschichte menschlicher Besiedlung und ökologischer Gestaltung und waren keine völlig unberührte Wildnis.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Aktuelle Evidenz

Primärforschung

Historischer Kontext

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