Keine Tatsache mehr

Organische Verbindungen können nur von lebenden Organismen mithilfe einer besonderen Lebenskraft erzeugt werden.

Was wir heute wissen

Organische Moleküle folgen denselben chemischen Prinzipien wie andere Materie und können aus unbelebten Ausgangsstoffen synthetisiert werden. Labor und Industrie stellen routinemäßig sowohl natürlich vorkommende als auch völlig neue organische Verbindungen her.

Warum sich das änderte

1828 stellte Friedrich Wöhler Harnstoff aus Ammoniumcyanat her und zeigte damit, dass eine mit Lebewesen verbundene Substanz aus nichtbiologischen Ausgangsstoffen entstehen konnte. Spätere Synthesen schwächten den Vitalismus weiter.

Status
Abgelöst
Kategorie
Chemie
Akzeptiert für
≈43 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Spätes 18. bis frühes 19. Jahrhundert
Ungefähr geändert
1828 bis spätes 19. Jahrhundert

Frühe Chemiker unterschieden deutlich zwischen Stoffen der mineralischen Welt und den komplexen Verbindungen, die aus Pflanzen und Tieren gewonnen wurden. Viele Vertreter des Vitalismus nahmen an, dass zur Bildung organischer Stoffe eine besondere Lebenskraft nötig sei, die nur in Organismen wirke.

1828 erhitzte Friedrich Wöhler Ammoniumcyanat und erhielt Harnstoff – eine Verbindung, die bis dahin eng mit tierischer Physiologie verbunden war. Damit ließ sich ein typischer „organischer“ Stoff aus Ausgangsmaterialien herstellen, ohne dass ein lebender Organismus beteiligt war.

Spätere Darstellungen machten aus diesem Experiment gern den einzelnen Moment, in dem der Vitalismus zusammenbrach. Historisch verlief der Wandel langsamer. Eine einzige Synthese beseitigte nicht sofort alle Vorstellungen über besondere Eigenschaften lebender Materie.

Entscheidend war die wachsende Serie weiterer Erfolge. Immer mehr organische Verbindungen konnten synthetisiert, ihre Reaktionen mit denselben chemischen Prinzipien erklärt und schließlich sogar Moleküle hergestellt werden, die in der Natur nicht vorkommen.

„Organische Chemie“ bezeichnet heute im Wesentlichen die Chemie kohlenstoffhaltiger Verbindungen, nicht Stoffe, die ausschließlich von Leben erzeugt werden können. Die Korrektur betrifft die chemische Synthese; sie behauptet nicht, dass sich bereits jedes Merkmal eines lebenden Organismus aus einfachen Stoffen vollständig nachbilden lässt.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Historischer Kontext

  • UreaAmerican Chemical Society

    Erklärt Wöhlers Synthese und die vitalistische Auffassung, organische Moleküle könnten nur von Lebewesen hergestellt werden.

  • Man Made: A History of Synthetic LifeScience History Institute

    Bietet eine differenzierte Darstellung des Vitalismus und erklärt, warum Wöhlers Experiment ihn nicht über Nacht beendete.

  • Wöhler's preparation of urea and the fate of vitalismAmerican Chemical Society

    Erörtert den allmählichen statt sofortigen Niedergang der vitalistischen Chemie.

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