Keine Tatsache mehr

Jenseits des arktischen Eisgürtels liegt ein großes schiffbares offenes Meer, das den Nordpol umgibt.

Was wir heute wissen

Die zentrale Arktis ist ein Ozean, der historisch von ausgedehntem Meereis bedeckt war, auch wenn das Eis saisonal ist und infolge der heutigen Klimaerwärmung rasch zurückgeht. Polynjas und lokale offene Wasserflächen belegen kein dauerhaft offenes Polarmeer.

Warum sich das änderte

Expeditionen des 19. Jahrhunderts trafen wiederholt auf ausgedehntes arktisches Packeis statt auf den erwarteten schiffbaren Polarozean. Besonders die Jeannette-Expedition von 1879 bis 1881 und spätere Polarforschung beschädigten die Hypothese nachhaltig.

Status
Widerlegt
Kategorie
Geowissenschaften
Akzeptiert für
≈28 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Eine ernsthaft diskutierte geografische und polarwissenschaftliche Hypothese des 19. Jahrhunderts mit älteren kartografischen Wurzeln
Ungefähr geändert
Späte arktische Erforschung des 19. Jahrhunderts

Das Offene Polarmeer wurde im 19. Jahrhundert zu einer ernsthaft diskutierten geografischen Hypothese und beeinflusste reale Entdeckungsreisen.

Befürworter argumentierten, warme Strömungen aus dem Atlantik könnten die zentrale Arktis eisfrei halten. Sie verwiesen auf nach Norden ziehende Vögel, das ununterbrochene Sonnenlicht des Sommers, die angenommene Unmöglichkeit der Eisbergbildung weit entfernt vom Land sowie auf gelegentliche offene Wasserflächen jenseits dichten Packeises.

Diese Beobachtungen waren real; die Schlussfolgerung war falsch. Eine Polynja, also eine lokale offene Wasserfläche innerhalb des Meereises, konnte verführerisch wie der Rand eines größeren eisfreien Ozeans wirken. Elisha Kent Kanes Expedition in den 1850er-Jahren kehrte mit Berichten über offenes Wasser im Norden zurück und stärkte die Theorie dadurch zunächst, statt sie zu widerlegen.

Die Hypothese verknüpfte sich mit wissenschaftlichem Prestige, Handel, imperialer Konkurrenz und der Suche nach schiffbaren Polarwegen. Der deutsche Geograf August Petermann verlieh ihr in den 1860er-Jahren zusätzliche wissenschaftliche Autorität.

Erst weitere Expeditionen lieferten den fehlenden Maßstab. Sie trafen immer wieder auf gewaltige, bewegliche Meereisfelder in der zentralen Arktis. Die verhängnisvolle Jeannette-Expedition, die 1879 in Erwartung offenen Wassers aufbrach, wurde stattdessen im Packeis eingeschlossen und driftete mit ihm.

Die heutige Klimaerwärmung führt dazu, dass die Arktis saisonal zunehmend eisfrei wird. Dieses zukünftige Phänomen darf jedoch nicht mit der historischen Behauptung verwechselt werden, jenseits eines Eisrings habe bereits von Natur aus ein schiffbares offenes Meer existiert.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Historischer Kontext

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