Keine Tatsache mehr

Gebärmutterhalskrebs hat nichts mit einer Virusinfektion zu tun.

Was wir heute wissen

Nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs werden durch eine anhaltende Infektion mit Hochrisiko-Typen des humanen Papillomavirus, kurz HPV, verursacht. HPV ist sehr häufig und die meisten Infektionen verschwinden von selbst; bleiben bestimmte Hochrisiko-Typen jedoch bestehen, können sie nach und nach die Kontrolle über das Wachstum von Zellen am Gebärmutterhals stören.

Warum sich das änderte

In den 1980er-Jahren fand die Arbeitsgruppe von Harald zur Hausen DNA bestimmter HPV-Typen in Gebärmutterhalskrebsgewebe. Spätere Labor- und Bevölkerungsstudien zeigten, dass eine anhaltende Infektion mit diesen Hochrisiko-Typen die zentrale Ursache der Erkrankung ist.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
≈33 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Vor den 1980er-Jahren
Ungefähr geändert
1980er- bis 1990er-Jahre

Gebärmutterhalskrebs hatte lange Hinweise auf eine infektiöse Ursache geliefert. Die Häufigkeit hing mit Mustern sexueller Exposition zusammen, doch über Jahrzehnte ließ sich kein bestimmter Erreger identifizieren.

Harald zur Hausen schlug vor, dass bestimmte Typen des humanen Papillomavirus verantwortlich sein könnten. HPV bezeichnet eine große Familie von Viren, die Haut und Schleimhäute infizieren. Die meisten Infektionen sind vorübergehend und führen nicht zu Krebs.

1983 fand zur Hausens Arbeitsgruppe HPV16-DNA in Gebärmutterhalskrebsgewebe, kurz darauf auch HPV18. Diese und mehrere verwandte Typen werden heute als Hochrisiko-HPV bezeichnet, weil eine anhaltende Infektion Proteine stören kann, die normalerweise Zellteilung kontrollieren und die Vermehrung geschädigter Zellen verhindern.

Große epidemiologische Studien zeigten anschließend, dass eine anhaltende Hochrisiko-HPV-Infektion bei praktisch allen Fällen von Gebärmutterhalskrebs eine zentrale Voraussetzung ist.

Der Unterschied zwischen Infektion und Krebs ist wichtig. HPV-Infektionen sind äußerst häufig und verschwinden meist ohne Behandlung. Krebs entsteht gewöhnlich erst, wenn eine Hochrisiko-Infektion über Jahre bestehen bleibt und weitere Zellveränderungen hinzukommen.

Die Entdeckung veränderte auch die Prävention. Impfungen können Infektionen mit wichtigen Hochrisiko-Typen verhindern, und HPV-Tests können anhaltende Infektionen erkennen, bevor Krebs entsteht.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Historischer Kontext

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