Keine Tatsache mehr

Übertragbare infektiöse Erreger galten als auf DNA oder RNA angewiesen, um biologische Information zu speichern und weiterzugeben.

Was wir heute wissen

Prionen sind infektiöse Erreger, die hauptsächlich aus Protein bestehen und kein eigenes DNA- oder RNA-Genom besitzen. Ein fehlgefaltetes Prionprotein kann normal gefaltete Kopien desselben Proteins im Wirt dazu bringen, ebenfalls diese abnorme Form anzunehmen; so breitet sich die schädliche Faltung aus.

Warum sich das änderte

DNA und RNA waren als Träger biologischer Information etabliert, weshalb ein infektiöser Erreger ohne beides kaum vorstellbar schien. Bei Scrapie und verwandten Erkrankungen ließ sich jedoch wiederholt kein virales Genom finden. Stanley Prusiner schlug 1982 ein infektiöses Protein als Ursache vor; spätere Arbeiten zeigten, wie sich die Form eines Proteins von Molekül zu Molekül übertragen kann.

Status
Widerlegt
Kategorie
Medizin
Akzeptiert für
Nicht quantifiziert
Ungefähr akzeptiert
Mitte des 20. Jahrhunderts bis frühe 1980er-Jahre
Ungefähr geändert
1982–1997

Mitte des 20. Jahrhunderts waren DNA und RNA zum Kern des Verständnisses von Vererbung und Viren geworden. Viren tragen genetische Anweisungen in einem dieser Moleküle und nutzen eine Wirtszelle, um weitere Kopien herzustellen. Ein infektiöser Erreger ohne eigene DNA oder RNA war deshalb schwer vorstellbar.

Scrapie, eine tödliche Erkrankung des Gehirns bei Schafen und Ziegen, verhielt sich jedoch nicht wie ein bekanntes Virus. Die Krankheit ließ sich übertragen, doch wiederholte Versuche, ein gewöhnliches virales Genom zu finden, scheiterten.

1982 schlug Stanley Prusiner vor, der infektiöse Erreger sei stattdessen ein Protein. Er nannte ihn ein „proteinaceous infectious particle“, verkürzt zu Prion. Die Idee war umstritten, weil Proteine biologische Information nicht eigenständig vervielfältigen sollten.

Die Lösung liegt nicht in einer genetischen Sequenz, sondern in der Form des Proteins. Ein normales Prionprotein des Wirts kann sich falsch falten. Diese fehlgefaltete Form kann anschließend normal gefaltete Kopien desselben Proteins dazu bringen, ebenfalls die abnorme Form anzunehmen. So breitet sich die schädliche Faltung von Protein zu Protein aus.

Der Wirt besitzt weiterhin DNA, die das normale Prionprotein codiert. Dem infektiösen Prion selbst fehlt jedoch ein eigenes DNA- oder RNA-Genom.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Aktuelle Evidenz

Historischer Kontext

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