Luft ist schwer als gewöhnliche Materie zu erkennen: Sie ist unsichtbar, entweicht aus offenen Gefäßen und umgibt uns überall zugleich. In älteren Naturlehren wurde sie deshalb anders behandelt als dichte Feststoffe oder Flüssigkeiten. Manche Denker räumten zwar ein, dass Luft Kräfte ausüben kann, betrachteten sie aber dennoch als von Natur aus „leicht“, praktisch gewichtslos oder jedenfalls nicht als etwas, das sich wie gewöhnliche Materie auf eine Waage bringen lässt.
Experimente des 17. Jahrhunderts machten dieses Bild zunehmend unhaltbar. Torricellis Quecksilberbarometer zeigte, dass die Atmosphäre eine Flüssigkeitssäule tragen kann, und Pascals Messungen verbanden den Druck mit der Menge an Atmosphäre über dem Messpunkt. Boyles Versuche mit der Luftpumpe zeigten anschließend, dass Luft gezielt eingeschlossen, komprimiert, ausgedehnt und entfernt werden kann. Gase wurden damit immer mehr zu Stoffen, die sich sammeln und experimentell handhaben ließen, statt zu einer kaum fassbaren Abwesenheit rund um feste Materie.
Die spätere pneumatische Chemie machte unterschiedliche Gase zu messbaren chemischen Substanzen, und genaue Wägungen zeigten, dass Materie nicht einfach verschwindet, wenn Gase entstehen oder verbraucht werden. Atmosphärischer Druck hängt buchstäblich mit dem Gewicht der darüberliegenden Luft zusammen. Der historische Übergang war schrittweise, das Ergebnis aber eindeutig: Gase besitzen Masse und unterliegen ebenso der Erhaltung der Materie wie weniger flüchtige Stoffe.