Institutionelle Überzeugung · Medicine and radiation safety
Röntgenbehandlung von Kopfpilz
Die Bestrahlung der Kopfhaut mit Röntgenstrahlen wurde als ausreichend sichere Massenbehandlung für Tinea capitis bei Kindern eingesetzt, bevor die langfristigen Strahlenrisiken erkannt waren.
1 Episode
Heutiger Wissensstand
Heutiger Wissensstand
Röntgenbestrahlung kann Tinea capitis beseitigen, setzt dabei aber gesundes Gewebe ionisierender Strahlung aus und erhöht das spätere Risiko für Tumoren und andere strahlenbedingte Erkrankungen. Wirksame Antimykotika machen eine routinemäßige Bestrahlung gegen Kopfpilz unnötig.
Institutionelle Episode
Israel
Israel organisierte eine landesweite Kampagne, in der Zehntausende Kinder mit Tinea capitis an der Kopfhaut geröntgt wurden – damals eine Standardbehandlung, deren spätere Krebsrisiken noch nicht verstanden waren. Das Gesundheitsministerium finanzierte und regulierte das Programm, Hadassah beaufsichtigte das Behandlungsprotokoll, und ein Netz unter anderem aus Kupat Holim Clalit, dem Shaar-HaAliyah-Krankenhaus und dem Tel-HaShomer-Krankenhaus führte die Bestrahlungen durch. Ab 1952 war die Behandlung in Teilen des öffentlichen Gesundheitsprogramms verpflichtend, unter anderem als Voraussetzung für die Rückkehr erkrankter Kinder in die Schule. 1960 endete die Bestrahlung, als Griseofulvin sie ersetzte; langfristige israelische Kohortenstudien zeigten später ein erhöhtes Tumorrisiko nach der Strahlenexposition im Kindesalter.
Institutionen
- Gesundheitsministerium
- Hadassah Medical Organization
- Kupat Holim Clalit (Allgemeine Krankenkasse)
- Shaar-HaAliyah-Krankenhaus
- Tel-HaShomer-Krankenhaus
Dokumentierte Folgen
- Massenhafte Bestrahlung von Kindern
- Behandlung teilweise Voraussetzung für die Rückkehr in die Schule
- Erhöhtes langfristiges Risiko für Hirn- und Nervensystemtumoren
Institutioneller Apparat
Das Gesundheitsministerium machte Ringelflechte zu einer Aufgabe des öffentlichen Gesundheitswesens und finanzierte die Behandlung; Hadassah erhielt die landesweite organisatorische und fachliche Aufsicht und gab das Behandlungsprotokoll vor. Kupat Holim Clalit, das Shaar-HaAliyah-Krankenhaus, das Tel-HaShomer-Krankenhaus und weitere zugelassene Zentren führten Bestrahlung und Nachsorge durch. Schulkrankenschwestern und lokale Dienste erfassten Fälle und setzten zeitweise den Ausschluss vom Schulbesuch durch; diese verteilten Dienste werden als Umsetzungsapparat beschrieben und nicht als eine einzelne Institution ausgegeben.
Quellen und was sie belegen
- Healing the children and the nation — The campaign to eradicate ringworm in Israel, 1925–1960Oxford University Press
- Tumors of the Brain and Nervous System after Radiotherapy in ChildhoodNew England Journal of Medicine
Zuletzt geprüft: 23.8.2026