Keine Tatsache mehr

Homo floresiensis war lediglich ein moderner Mensch mit einer Krankheit oder Wachstumsstörung.

Was wir heute wissen

Die meisten Fachleute erkennen Homo floresiensis als eigenständige archaische Menschenart und nicht als erkrankten modernen Menschen an. Seine ungewöhnliche Anatomie findet sich bei mehreren Individuen und umfasst eine Kombination ursprünglicher Merkmale, die sich durch eine einzelne Erkrankung nur schlecht erklären lässt.

Warum sich das änderte

Das erste gut erhaltene Skelett war extrem klein und besaß ein sehr kleines Gehirn, weshalb Erkrankungen wie Mikrozephalie, bei der das Gehirn ungewöhnlich klein bleibt, oder endokrine Leiden vorgeschlagen wurden. Weitere Fossilien und detaillierte Untersuchungen von Schädel, Zähnen, Handgelenk, Schulter, Fuß und Gliedmaßenproportionen machten eine pathologische Erklärung als Homo sapiens zunehmend unplausibel.

Status
Widerlegt
Kategorie
Menschliche Evolution
Akzeptiert für
≈12 Jahre
Ungefähr akzeptiert
Konkurrierende fachliche Hypothese, 2004 bis 2010er-Jahre
Ungefähr geändert
Späte 2000er-Jahre bis heute

Als 2004 das Teilskelett LB1 von der indonesischen Insel Flores vorgestellt wurde, löste es sofort eine Kontroverse aus.

LB1 gehörte zu einem Erwachsenen von nur etwa einem Meter Körpergröße und besaß ein Gehirn, das für ein junges Mitglied der Gattung Homo ungewöhnlich klein war. Die Entdecker schlugen deshalb eine neue Art vor: Homo floresiensis.

Andere Forschende boten eine völlig andere Erklärung an. Vielleicht war LB1 ein anatomisch moderner Mensch mit einer Erkrankung. Eine Hypothese war Mikrozephalie; andere Vorschläge betrafen endokrine oder entwicklungsbedingte Störungen.

Das war ein echter wissenschaftlicher Streit und kein einfacher Fall eines zuvor einheitlichen Konsenses.

Mit weiteren Fossilien wurde die Krankheitserklärung schwieriger. Überreste zusätzlicher Individuen zeigten ebenfalls geringe Körpergröße, und Untersuchungen von Schädel, Zähnen, Handgelenk, Schulter, Fuß und Gliedmaßen ergaben eine Mischung von Merkmalen, die zu einem einzelnen erkrankten Homo sapiens schlecht passte.

Die meisten Fachleute akzeptieren Homo floresiensis heute als eigenständige archaische Menschenart.

Seine genaue Abstammung bleibt umstritten. Die Population könnte von Homo erectus abstammen und auf einer Insel kleinwüchsig geworden sein oder einen früheren Zweig der Menschheitsentwicklung darstellen. Alte DNA hat diese Frage bisher nicht entschieden.

Am deutlichsten verändert hat sich die engere Behauptung, die Flores-Fossilien ließen sich einfach als erkrankte Homo sapiens erklären.

Evidenz

Quellen und was sie belegen

Frühere Auffassung

Aktuelle Evidenz

  • Homo floresiensisSmithsonian Human Origins Program

    Hält fest, dass die meisten Forschenden Homo floresiensis heute als gültiges, von Homo sapiens getrenntes Taxon anerkennen.

Historischer Kontext

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