Institutionelle Überzeugung · Physics and defense research
„Torsionsfelder“ als technisch nutzbare physikalische Felder
Sogenannte Spinor- oder Torsionsfelder wurden als neu entdeckte physikalische Wechselwirkung behandelt, die sich für Ortung, Kommunikation, biologische Wirkungen, gravitationsbezogene Technologien und weitere praktische Anwendungen technisch nutzen lasse.
1 Episode
Heutiger Wissensstand
Heutiger Wissensstand
Reproduzierbare Belege für die in diesem sowjetischen Forschungsprogramm behaupteten makroskopischen „Torsionsfelder“ oder ihre außergewöhnlichen technischen Wirkungen fehlen. Diese Behauptungen sind nicht mit der Torsion in der Differentialgeometrie oder der Einstein-Cartan-Gravitation gleichzusetzen: Dort bezeichnet Torsion ein legitimes mathematisches Konzept mit anderer Bedeutung und bestätigt weder die behaupteten Geräte noch die angeblichen Fernwirkungen.
Folgen und menschliche Auswirkungen
Folgen und menschliche Auswirkungen
Der Fall enthält eine ungewöhnlich deutliche institutionelle Selbstkorrektur. Ein sowjetisches staatliches Wissenschaftsorgan schuf und unterstützte eine eigene Einrichtung für die behauptete neue Wechselwirkung; anschließend wurden auch Verteidigungs- und andere Ministerien in entsprechende Arbeiten hineingezogen. Im Juli 1991 bezeichnete ein Wissenschaftsausschuss des Obersten Sowjets diese staatliche Legitimierung ausdrücklich als groben Fehler und die zugrunde liegenden Behauptungen als unbelegt.
Wie daraus Folgen entstanden
Die Quellen unterscheiden reguläre wissenschaftliche Arbeiten zur geometrischen Torsion ausdrücklich vom Akimow-Programm zu angeblichen makroskopischen Feldern. Nicht der Begriff „Torsion“ an sich war pseudowissenschaftlich, sondern der unbelegte Sprung zu einer neuen Wechselwirkung mit außergewöhnlichen technischen Anwendungen.
Besonders aussagekräftig ist der Beschluss von 1991, weil er den institutionellen Mechanismus des Fehlers selbst benennt: Das Staatliche Komitee für Wissenschaft und Technik schuf das Zentrum ohne ausreichende wissenschaftliche Begutachtung und verlieh dem Programm anschließend amtliche Legitimität, wodurch weitere Ministerien und Verteidigungsstellen zur Beteiligung und Finanzierung ermutigt wurden.
Offene staatliche Förderung über ein eigenes Zentrum für nichttraditionelle Technologien
Wissenschaftsausschuss des Obersten Sowjets bezeichnete die Legitimierung durch das staatliche Wissenschaftskomitee als groben Fehler
Zentrum nach wissenschaftlicher und parlamentarischer Prüfung aufgelöst
Zahlen werden nur hervorgehoben, wenn sie durch die angegebenen Quellen gestützt werden. Die Größe einer damit verbundenen Katastrophe wird nicht automatisch als ausschließlich durch diese Überzeugung verursacht behandelt.
Institutionelle Episode
Sowjetunion
Von 1989 bis 1991 unterstützte das Staatliche Komitee der UdSSR für Wissenschaft und Technik offen Forschungen zu angeblichen „Spinor-“ oder „Torsionsfeldern“ über sein Zentrum für nichttraditionelle Technologien; zuvor hatte es bereits geschlossene verteidigungsbezogene Arbeiten gegeben. Dem vermeintlich neuen Feldtyp wurden außergewöhnliche Eigenschaften und technische Anwendungen zugeschrieben. 1991 brachten Physiker die Behauptungen in eine formelle Prüfung. Am 4. Juli kam der Wissenschafts- und Technologieausschuss des Obersten Sowjets zu dem Schluss, die Behauptungen seien unbelegt sowie logisch und wissenschaftlich unbegründet, bezeichnete ihre amtliche Legitimierung durch das ГКНТ als „groben Fehler“ und verlangte Überprüfungen bei den beteiligten Behörden. Das eigens geschaffene Zentrum wurde anschließend aufgelöst.
Institutionen
- Staatliches Komitee der UdSSR für Wissenschaft und Technik (ГКНТ СССР)
- Zentrum für nichttraditionelle Technologien (ЦНТ) beim ГКНТ СССР
- Verteidigungsministerium der UdSSR
- Ministerium für Atomenergie und -industrie der UdSSR (Минатомэнергопром СССР)
Dokumentierte Folgen
- Staatlich finanzierte Forschung und Entwicklung zu einer angeblich neuen physikalischen Wechselwirkung
- Verteidigungsinteresse an Ortung, Kommunikation, psychophysischen Wirkungen und weiteren behaupteten Anwendungen
- Schaffung eines eigenen staatlichen Forschungszentrums ohne ausreichende wissenschaftliche Begutachtung
- Ressortübergreifende Finanzierung und Beteiligung wissenschaftlicher und militärischer Einrichtungen
Institutioneller Apparat
Rückblicke der Russischen Akademie der Wissenschaften beschreiben bereits in den 1980er-Jahren geschlossene Unterstützung durch KGB und Verteidigungsstellen. Offene institutionelle Förderung ist von 1989 bis 1991 belegt, als die Arbeit über das Zentrum für nichttraditionelle Technologien beim Staatlichen Komitee für Wissenschaft und Technik finanziert wurde. Der Beschluss des Obersten Sowjets von 1991 hält fest, dass diese amtliche Legitimierung weiteren Verteidigungs-, Atomenergie- und anderen Stellen Anlass gab, entsprechende Arbeiten auszuweiten. Akademieeinrichtungen kritisierten das Programm zugleich und teilten diese institutionelle Billigung nicht.
Quellen und was sie belegen
- Предыстория Комиссии РАН по борьбе с лженаукой — reproduction of the 4 July 1991 Supreme Soviet committee resolutionRussian Academy of Sciences — Commission for Combating Pseudoscience
Zuletzt geprüft: 24.8.2026