Institutionelle Überzeugung · Pulmonary medicine and clinical standards
„Rassen“-basierte Referenzwerte der Lungenfunktion
„Rasse“ oder Ethnizität wurden als Patientenmerkmale behandelt, die bestimmen sollten, welche Referenzgleichungen oder Korrekturfaktoren für die erwarteten Normalwerte der Lungenfunktion verwendet werden.
1 Episode
Heutiger Wissensstand
Heutiger Wissensstand
„Rasse“ und Ethnizität sind soziale Klassifikationen und keine festen biologischen Variablen, die sich für pauschale physiologische Korrekturen eignen. Die aktuelle ATS-Empfehlung, die von der ERS unterstützt wird, sieht für die Interpretation von Lungenfunktionstests rassenunabhängige durchschnittliche Referenzgleichungen vor und fordert zugleich weitere Forschung zu den Folgen der Umstellung.
Institutionelle Episode
Vereinigte Staaten und Europa
ATS/ERS-Standards beschrieben Bevölkerungsunterschiede nicht nur, sondern machten „Rasse“ und Ethnizität zu operativen Variablen der Referenzwerte, anhand derer Lungenfunktionstests interpretiert wurden. 2023 kehrte die ATS diesen Ansatz mit Unterstützung der ERS um und empfahl rassenunabhängige Durchschnittsgleichungen.
Institutionen
- American Thoracic Society (ATS)
- European Respiratory Society (ERS)
Dokumentierte Folgen
- Rassenabhängige Schwellenwerte für die Einstufung von Lungenfunktionswerten als normal oder auffällig
- Mögliche verzögerte Erkennung oder geringer eingeschätzte Schwere von Atemwegserkrankungen bei Personen, deren Gruppe niedrigere Referenzwerte erhielt
- Rassenabhängige Auswirkungen auf Entscheidungen zu Behandlung, Erwerbsunfähigkeit, Beschäftigung, Versicherung und Transplantationspriorisierung
- Notwendige Umstellung von Laborberichten und klinischer Interpretation nach der Empfehlung von 2023
Institutioneller Apparat
Der gemeinsame ATS/ERS-Standard von 2005 wies darauf hin, dass Patienten ihre „Rasse“ beziehungsweise ethnische Zugehörigkeit angeben sollten, und empfahl nach Möglichkeit gruppenspezifische Referenzgleichungen; Korrekturfaktoren dienten als Ersatzlösung. Diese Referenzwerte beeinflussten, ob gemessene Lungenfunktionswerte als normal oder auffällig eingestuft wurden. Die rassenbezogene Interpretation blieb bis in die frühen 2020er-Jahre Teil fachlicher Standards. 2023 empfahl eine offizielle ATS-Stellungnahme, die von der ERS unterstützt wurde, rassen- und ethniespezifische Gleichungen durch rassenunabhängige durchschnittliche Referenzgleichungen zu ersetzen.
Quellen und was sie belegen
- Interpretative strategies for lung function testsEuropean Respiratory Journal / ATS–ERS Task Force
- ERS/ATS technical standard on interpretive strategies for routine lung function testsEuropean Respiratory Journal / ERS–ATS Task Force
Gemeinsamer technischer Standard von 2022, der den ATS/ERS-Rahmen von 2005 und den fachlichen Kontext unmittelbar vor der Empfehlung für rassenunabhängige Gleichungen dokumentiert.
- Race and Ethnicity in Pulmonary Function Test Interpretation — An Official American Thoracic Society StatementAmerican Thoracic Society / American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine
- ATS Publishes Official Statement on Race, Ethnicity and Pulmonary Function Test InterpretationAmerican Thoracic Society
ATS-Zusammenfassung der Korrektur von 2023, einschließlich der Gründe für die Abkehr von rassenbezogenen Gleichungen und möglicher Folgen für Diagnose, Behandlung und andere folgenreiche Entscheidungen.
Zuletzt geprüft: 26.8.2026