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Institutionelle Überzeugung · History, diplomacy and state propaganda

Das geheime Zusatzprotokoll zum Molotow-Ribbentrop-Pakt als westliche Fälschung

Sowjetische Institutionen hielten nach dem Krieg an einer offiziellen Geschichtsdarstellung fest, in der die im Westen veröffentlichten Belege für ein geheimes Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 als gefälscht oder nicht authentisch behandelt wurden. Damit wurde ein tatsächlich bestehendes Abkommen bestritten, das Osteuropa in deutsche und sowjetische Interessensphären aufteilte.

1 Episode

Heutiger Wissensstand

Heutiger Wissensstand

Die Sowjetunion und NS-Deutschland unterzeichneten am 23. August 1939 neben dem öffentlichen Nichtangriffsvertrag ein geheimes Zusatzprotokoll. Darin wurden Gebiete vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer deutschen und sowjetischen Interessensphären zugeordnet. Am 24. Dezember 1989 bestätigte der Kongress der Volksdeputierten der UdSSR förmlich, dass das Protokoll unterzeichnet worden war und existierte, verurteilte die geheimen Absprachen und erklärte sie vom Zeitpunkt ihrer Unterzeichnung an für rechtlich unwirksam. Das sowjetische Original wurde später aufgefunden.

Folgen und menschliche Auswirkungen

Folgen und menschliche Auswirkungen

Nachdem deutsche Diplomatenakten im Westen veröffentlicht worden waren, entstand eine langjährige sowjetische staatliche Gegendarstellung. 1948 beantwortete das Sowjetische Informationsbüro die US-Dokumentensammlung „Nazi-Soviet Relations“ mit den „Geschichtsfälschern“ und stellte die Veröffentlichung als Fälschungskampagne dar. Unter Glasnost brach diese Linie auf: Im August 1988 erklärte APN-Vorsitzender Walentin Falin öffentlich, es gebe keinen Grund, die geheimen Protokolle für Fälschungen zu halten. Im Dezember 1989 erkannte der Kongress der Volksdeputierten ihre Existenz förmlich an und verurteilte ihre Unterzeichnung.

Wie daraus Folgen entstanden

Die Schrift „Geschichtsfälscher“ von 1948 griff die westliche Dokumentenveröffentlichung als Fälschung an, behandelte das geheime Zusatzprotokoll aber nicht ausdrücklich beim Namen. Sie belegt daher keinen wörtlichen Satz, der dessen Existenz explizit bestreitet.

Die offizielle sowjetische Linie begann sich bereits vor Dezember 1989 zu verändern. Am 16. August 1988 erklärte APN-Vorsitzender Walentin Falin, es gebe keinen Grund, die geheimen Protokolle für eine Fälschung zu halten.

Der Kongress stützte sich 1989 auf Kopien, Karten und weitere Dokumente, weil das sowjetische Original damals noch nicht gefunden war. Es wurde später im Archivbestand aufgefunden.

41 Jahre

von der sowjetischen staatlichen Gegenschrift 1948 bis zur förmlichen Anerkennung des geheimen Protokolls 1989

23. August 1939

Unterzeichnung des geheimen Zusatzprotokolls zusammen mit dem öffentlichen Nichtangriffsvertrag

24. Dezember 1989

förmliche Bestätigung und Verurteilung des geheimen Protokolls durch den Kongress der Volksdeputierten der UdSSR

Zahlen werden nur hervorgehoben, wenn sie durch die angegebenen Quellen gestützt werden. Die Größe einer damit verbundenen Katastrophe wird nicht automatisch als ausschließlich durch diese Überzeugung verursacht behandelt.

Institutionelle Episode

Sowjetunion

1948–1989Offiziell unterstützt

Die sowjetische Reaktion auf die westliche Veröffentlichung deutscher Diplomatenakten trug zu einer offiziellen Geschichtsdarstellung bei, in der das geheime Protokoll bestritten oder als westliche Fälschung behandelt wurde. Im Dezember 1989 vollzog der Kongress der Volksdeputierten die förmliche Kehrtwende.

Institutionen

  • Sowjetisches Informationsbüro
  • Kommunistische Partei der Sowjetunion

Dokumentierte Folgen

  • Jahrzehntelange staatliche Geschichtsdarstellung ohne ein authentisches geheimes Abkommen als Bestandteil der Diplomatie von 1939
  • Fortgesetzte archivische Geheimhaltung des sowjetischen Dokumentenbestands zum Protokoll
  • Verzerrung der öffentlich autorisierten Erklärung sowjetischer Politik gegenüber Polen, den baltischen Staaten, Finnland und Bessarabien
  • Große spät-sowjetische Geschichtskontroverse mit Verbindung zur politischen Mobilisierung in den baltischen Republiken
  • Förmliche Feststellung des Kongresses 1989, dass die geheimen Absprachen der Souveränität und Unabhängigkeit dritter Staaten widersprachen

Institutioneller Apparat

Im Januar 1948 veröffentlichte das US-Außenministerium erbeutete deutsche Diplomatenakten. Das Sowjetische Informationsbüro antwortete mit „Geschichtsfälscher“ und stellte die westliche Veröffentlichung als Fälschungskampagne dar. In den folgenden Jahrzehnten wurde ein authentisches geheimes Protokoll zur Abgrenzung von Interessensphären in der öffentlichen sowjetischen Geschichtsdarstellung bestritten oder ausgeblendet. Im August 1988 durchbrach Falin diese Linie öffentlich; am 24. Dezember 1989 bestätigte der Kongress der Volksdeputierten förmlich, dass das geheime Zusatzprotokoll unterzeichnet worden war und existierte.

Quellen und was sie belegen

Zuletzt geprüft: 25.8.2026