Institutionelle Überzeugung · Military anthropology
„Kriegerrassen“
Bestimmten südasiatischen Gemeinschaften wurden angeborene rassische oder erbliche Eigenschaften zugeschrieben, die sie von Natur aus zu besseren Soldaten machen sollten als andere.
2 Episoden
Heutiger Wissensstand
Heutiger Wissensstand
Militärische Leistungsfähigkeit ist keine erbliche Eigenschaft einer „Rasse“, Ethnie oder Kaste. Ausbildung, Auswahl, Ernährung, Organisation, Erfahrung, Anreize, Technologie und soziale Bedingungen beeinflussen militärische Effektivität; breite Abstammungsgruppen begründen keine angeborene Eignung zum Soldaten.
Institutionelle Episode
Britisch-Indien
Seit dem späten 19. Jahrhundert bevorzugte die Rekrutierung der britisch-indischen Armee zunehmend Gemeinschaften, die als „martial races“ eingestuft wurden, darunter Sikhs, Gurkhas sowie Teile der punjabischen muslimischen und nordwestlichen Bevölkerung. Dabei handelte es sich nicht nur um ein diffuses koloniales Vorurteil: Die Rekrutierungspolitik und ihr Verwaltungsapparat klassifizierten Gemeinschaften nach vermeintlich angeborenen oder durch Herkunft und Umwelt festgelegten soldatischen Eigenschaften und konzentrierten die Rekrutierung auf ausgewählte Regionen und Gruppen.
Institutionen
- Britisch-Indische Armee
- Army Headquarters, India
- Adjutant-General’s Branch, Recruiting Directorate
Dokumentierte Folgen
- Selektive Militärrekrutierung
- Ungleicher Zugang zu militärischer Beschäftigung
- Rassifizierte Einteilung von Gemeinschaften
Institutioneller Apparat
Die Rekrutierungspolitik wurde über Army Headquarters und den Rekrutierungsapparat der Adjutant-General’s Branch zentralisiert und anschließend durch Regimenter und regionale Rekrutierungsstellen umgesetzt. Die Autorität verlief damit von klar identifizierbaren Hauptquartieren und Rekrutierungsstellen in einen breiteren dezentralen Apparat.
Quellen und was sie belegen
- Race and Recruitment in the Indian Army — 1880–1918Modern Asian Studies
Finds that martial-race theory shaped Indian Army recruitment policy from the late nineteenth century and remained operational, with modifications, during the early twentieth century; it also describes the Adjutant-General's Department taking centralized control of wartime recruitment.
- Recruiting in India, before and during the war of 1914–18Army Headquarters, India / British Library India Office Records
Catalogue record for the 1919 Army Headquarters report, shelfmark IOR/L/MIL/17/5/2152, documenting the official recruitment machinery and class-based recruitment system.
- Recruiting the “martial races” — identities and military service in colonial IndiaPatterns of Prejudice
Reviews the racialization of colonial military recruitment and the belief that selected communities possessed qualities necessary for military service.
Institutionelle Episode
Pakistan
Nach der Unabhängigkeit entfernte sich Pakistan formal von der britischen Rassenterminologie, übernahm jedoch eine Armee, deren Rekrutierungsgeografie und „class composition“ vom kolonialen System der „martial races“ geprägt worden waren. Führende Offiziere hielten Bengalen weiterhin für wenig geeignetes militärisches Personal, und die Rekrutierung aus Ostpakistan wuchs nur langsam. Bengalen blieben bis in die 1960er-Jahre stark unterrepräsentiert; die übernommene Doktrin wurde damit Teil des größeren institutionellen Ungleichgewichts zwischen Ost- und Westpakistan.
Institutionen
- Pakistan Army
- General Headquarters (GHQ), Pakistan Army
Dokumentierte Folgen
- Starke Unterrepräsentation von Bengalen in den Streitkräften
- Regionale Konzentration der Rekrutierung auf Punjab und den Nordwesten
- Politische Spannungen in Ostpakistan
Institutioneller Apparat
Nach 1947 übernahm die Pakistan Army große Teile der Regiments- und Rekrutierungsstruktur der British Indian Army. Das General Headquarters prägte die Zusammensetzung der Streitkräfte, während die Regimentsrekrutierung Präferenzen für Punjabis und Paschtunen aus dem älteren „martial races“-Rahmen fortführte.
Quellen und was sie belegen
- Bengali Representation in Pakistan Defence Forces (1947–1971) — A RevisitBIISS Journal
Historical and statistical study arguing that Pakistan's military perpetuated colonial martial-race assumptions to justify low Bengali recruitment.
- The Foundations of Pakistan’s Strategic Culture — The British, Martial Race, and Its Influence on Pakistani Strategic CultureMarine Corps University Press
Describes the continuation of class-composition preferences in the early Pakistan Army and the influence of British officers, including Commander-in-Chief Douglas Gracey, on inherited martial-race assumptions.
- Colonial Military Service and Identity Formation — A Case Study of British IndiaOxford University Press
Reviews colonial martial-race recruitment and notes its continuing influence on the postcolonial armies of India and Pakistan.
Zuletzt geprüft: 23.8.2026